Hedinger Know-how für Zeppelin NT
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Über dem Bodensee sind sie regelmässig zu sehen. Die Rede ist von den Luftschiffen namens Zeppelin, die vor über hundert Jahren von Ferdinand Graf von Zeppelin entwickelt wurden und nach dem Absturz der «Hindenburg» im Jahr 1937 endgültig vom Himmel verschwanden. Seit 1997 fliegen sie wieder, allerdings mit modernster Technologie - entwickelt unter anderem in Wattwil. Es war am Donnerstag, 18. September 1997, als der erste Zeppelin NT zu seinem Jungfernflug über Friedrichshafen abhob. Das Ereignis fand nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, ja gar über den Kontinent hinaus, grosse Beachtung. Mit grossem Interesse verfolgte an diesem Tag auch der Wattwiler Ernst Hedinger das erstmalige Abheben des 75 Meter langen, silbergrauen Luftschiffes. Und dies aus gutem Grund, hat er doch einen nicht unwichtigen Beitrag an die Entwicklung des Zeppelin NT (Neuer Technologie) geleistet. In Hedingers Firma, der Hedinger Flugzeug-Aggregate AG an der Ebnaterstrasse, wurde nämlich die Stromversorgung des modernen Luftschiffes entwickelt. «Keine leichte Aufgabe», wie er damals sagte. Inzwischen hat der Zeppelin NT zwei Brüder bekommen, die im Gegensatz zum «Erstgeborenen» über die Zulassung für Passagierflüge verfügen. Und auch in diesen Luftschiffen sorgen AC-Generatoren aus dem Hause Hedinger für eine reibungslose Stromversorgung.
Vielseitigkeit als Stärke
Die Hedinger Flugzeug-Aggregate AG wurde als eigenständiges Unternehmen im Jahr 1991 gegründet und ist eine Schwesterfirma der E. Hedinger AG, die sich auf Fahrzeugelektronik und Elektromotoren ausgerichtet hat. Von den insgesamt 25 Mitarbeitenden sind deren fünf für den Bereich Flugzeug-Aggregate zuständig. Ihre Hauptarbeit ist das Reparieren und Überholen der Aggregate von Flugzeugen und Helikoptern aller Art. Wer für Flugzeuge und Helikopter Maschinen oder Einzelteile anfertigt, ist allerdings genauen Kontrollen unterworfen. Entsprechend müssen die geforderten Lizenzen erworben werden. Die Hedinger Flugzeug-Aggregate AG verfügt sowohl über die in Europa wie auch über die in Amerika anerkannte Luftfahrt-Zertifizierung. «Mit diesen Doppelzertifizierungen sind wir weltweit abgedeckt», erklärt Ernst Hedinger. Obwohl in zwei Firmen aufgeteilt, überschneiden sich die Grundvoraussetzungen für die Arbeiten im Bereich Flugzeug-Aggregate und Elektromotoren in vielem. Die daraus resultierende Vielseitigkeit nennt Ernst Hedinger auch als eine der Stärken seiner Unternehmen. «Mit unserer Erfahrung können wir Probleme aus verschiedenen Perspektiven betrachten und finden so auch geeignete Lösungsvorschläge.» Bestes Beispiel dafür ist die Stromversorgung für den Zeppelin NT.
Kontakte nach Amerika
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Dass die Firma von Ernst Hedinger vor zehn Jahren mit der Entwicklung der Stromversorgung für den Zeppelin NT beauftragt wurde, hatte mehrere Gründe. «Wir verfügten damals - und noch heute - als einzige Firma in Europa über die Möglichkeit, drei Generatoren zur Stomversorgung an je einem Prüfstand gleichzeitig zu testen», nennt Ernst Hedinger einen davon. Für die Firma Hedinger sprach auch die Tatsache, dass sie den für die Stromversorgung des Zeppelins idealen Generator besorgen konnte. «Dank meiner guten Kontakte zur Flugzeugindustrie hatte ich Zugang zum amerikanischen Hersteller dieses Geräts - eine Verbindung, die die Firma Zeppelin Luftschifftechnik GmbH allein nicht hätte nutzen können», erklärt der Wattwiler Elektrospezialist.
150 kg Gewicht eingespart
Der Generator aus Amerika konnte allerdings nicht eins zu eins für den Stromantrieb im Zeppelin verwendet werden. Bei dieser Anpassung waren das Know-how der Firma Hedinger Flugzeug-Aggregate AG und das technische Wissen des Inhabers gefordert. Hedinger fand auch hier eine Lösung, ebenso wie für die geforderte Gewichtsreduzierung der Stromkabel, die die Generatoren in der Konstruktion im Innern der Hülle des Zeppelins miteinander verbinden. «Jedes Kilo Mehrgewicht am Stromsystem wäre mit Mehrkosten von 1000 Dollar verbunden gewesen. Und wir haben allein mit dünneren Kabeln 150 Kilogramm Gewicht eingespart», erklärt Hedinger.
Immer wieder optimieren
Auch sieben Jahre nach dem erstmaligen Abheben des Zeppelin NT pflegt Ernst Hedinger den Kontakt zu den Verantwortlichen der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH noch. Die Generatoren aus Wattwil laufen zwar nach wie vor reibungslos - «Schweizer Qualität eben», wie Artur Brauchle, einer der Hauptverantwortlichen im Werk Friedrichshafen betont -, es gibt aber immer wieder das eine oder andere zu optimieren. Im Werk in Friedrichshafen liebäugelt man bereits mit dem Bau eines noch grösseren Luftschiffs, das statt zwölf 19 Sitzplätze haben wird. Und auch dort werden Aggregate aus Wattwil zum Einsatz kommen. Bis dahin sind in Friedrichshafen nur noch zwei Luftschiffe der Marke Zeppelin NT stationiert. Die «Bodensee» wurde nämlich an eine japanische Rederei verkauft. Damit fliegen also auch Generatoren «made in Wattwil» über dem Reich der aufgehenden Sonne.
Die über hundertjährige Geschichte der Luftschiffe
Ferdinand Graf von Zeppelin - er lebte von 1838 bis 1917 - war General der Kavallerie, Diplomat und Luftschiffpionier. Er beschäftigte sich ab 1890 mit der Entwicklung von Starrluftschiffen. Zwischen 1900 und 1938 wurden nach seinen Plänen insgesamt 119 Zeppeline gebaut. Der erste Aufstieg eines Zeppelins erfolgte am 2. Juli 1900 bei Friedrichshafen. Als erfolgreichstes Luftschiff wird die LZ 127 «Graf Zeppelin» in den Geschichtsbüchern geführt. Es startete im Oktober 1929 unter anderem zu einer Weltfahrt - von Friedrichshafen über New York, Tokio, Los Angeles und zurück nach Friedrichshafen. Die LZ 127 stieg insgesamt 590 Mal gen Himmel und legte dabei 1,7 Millionen Kilometer zurück. Vor elf Jahren hatte sich der damals gegründete Unternehmensverbund ZLT Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co.KG zum Ziel gesetzt, einen Zeppelin NT (Neuer Technologie) zu entwickeln und herzustellen. Nach vierjähriger Arbeit ging dieses weltweit einzigartige halbstarre Luftschiff, das bewährte Erfahrungswerte mit moderner Hochtechnologie verbindet, am 18. September 1997 erstmals in die Luft. Inzwischen wurden im Werk in Friedrichshafen drei solche Zeppeline NT gebaut, zwei davon verfügen über eine Zulassung für Passagierflüge. Künftig wird eines dieser Luftschiffe allerdings nicht mehr von europäischem Boden, sondern von japanischem Gebiet abheben. Der Zeppelin NT «Bodensee» verliess Friedrichshafen vor vier Wochen endgültig, um eine Luftreise nach Japan anzutreten. Dort wird er für seinen neuen Besitzer, die Nippon Airship Corporation, Passagiere transportieren. Der Überführungsflug nach Japan zieht sich allerdings in die Länge: Die deutsch-japanische Crew wartet derzeit in Helsinki darauf, dass die «Bodensee» von Russland die Überflugbewilligung erteilt bekommt. (pd/jsp)










